
Mit breiter Unterstützung hat sich ein „Bürgerbündnis 100 Linden“ gegründet.
Bürgerinitiative Schönes Falkensee e.V.
Und Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden und Gruppen:
BUND Ortsgruppe Falkensee
Lokale Agenda 21, Falkensee
Baumschutzgruppe Finkenkrug
Aktion Fair Play, Tierschutzbürgerinitiative
Bürgerinitiative Lindenweiher


Die Lindenallee in der Spandauer Straße sollte mit deren Ausbau komplett verschwinden.
Es begann ganz harmlos – der Kreisverkehr, der 1. Abschnitt bis zur Humboldtallee, der Bau, der ganz anders geplant war begann – ein Baum fiel nach dem anderen während der Bauphase.

Im 2. Bauabschnitt bis zur Berliner Landesgrenze sollten gleich alle Bäume gefällt werden, gegen den in Brandenburg gesetzlich normierten Alleenschutz.
Wir forderten
- die Rückstellung geplanter Fällungen und stattdessen die Aufnahme eines moderierten Verfahrens
- Hinzuziehung fachkundiger Vertreterinnen und Vertreter zuständiger Fachbereiche
- sowie der beteiligten Umweltgruppen und -verbände, um zeitgerecht eine akzeptable Lösung zu finden.
Eine alternative Planung schien ohne Einschränkung der Verkehrsleistung bei der weiterhin zweistreifig geführten Straße möglich. Durch eine Verschiebung des nördlichen Fahrstreifens um 1m hätte der Straßenneubau in gleicher Art und Weise auch mit einem umfangreichen Erhalt von Alleebäumen in Einklang gebracht werden, ohne dass Privatgrundstücke angetastet würden.
Die Standsicherheit der Bäume ist, jedenfalls mit einem erforderlichen Pflegeschnitt bei überschaubarem Aufwand, für die nächsten Jahrzehnte nicht gefährdet. – und Linden sind starke Bäume
Nach Baumgutachten hatten mehrere Bäume eine erwartete Reststandzeit von bis zu 10 Jahren, andere allerdings auch bis zu 20 Jahren und darüber hinaus.
Den Kahlschlag befürwortete dann die Mehrheit der SVV und schmetterte einen Eil-Antrag der Fraktion GRÜNE/ABü für die Prüfung baumschonenderer Ausbauvarianten ab.
Eine Herausforderung für die BISF, die sich zusammen mit anderen Umweltgruppen weiter für den Erhalt möglichst vieler der stadtbildprägenden Alleebäume einsetzte

Zur Rettung der Linden gab es eine Online Petition:
An den
Landesbetrieb Straßenwesen
100 Linden – Geplante Totalfällung der Alleebäume
L201 Ortsdurchfahrt Falkensee, Spandauer Straße
In der öffentlichen Sitzung des Ausschusses Stadtentwicklung/Umwelt/Wirtschaft (ASUW) der Stadt Falkensee am 6. März stellte Professor Heinz für den Landesbetrieb die Planung für den zweiten Bauabschnitt der Spandauer Straße vor. Mit Bezug auf das Gutachten von Herrn Jochen Brehm zum Zustand der Linden in der Spandauer Straße, Abschnitt Humboldtallee bis zur Landesgrenze Berlin/Brandenburg (Begehung vom 14.10.2016), wird vom Landesbetrieb Straßenwesen eine Totalfällung der bestehenden alten Lindenallee angestrebt. Das Gutachten wurde dabei so ausgelegt, als ob bereits 70 Prozent der Linden soweit geschädigt seien, dass sie in den nächsten Jahren sowieso der Säge zum Opfer fallen würden. Deshalb plane man, doch besser gleich alle Bäume zu fällen, um dann mit einer Nachpflanzung wieder eine intakte junge Allee zu schaffen.
Diese vorgestellte und geplante Fällung aller Alleebäume lehnen wir ab und stimmen den Schlussfolgerungen aus den folgenden Überlegungen und Gründen nicht zu:
1) Im Gutachten wird keineswegs eine Totalfällung der Linden empfohlen, lediglich ein einziger Baum sei so betroffen, dass er sofort gefällt werden sollte (das ist bereits geschehen), bei
89 der untersuchten 100 Linden wird lediglich empfohlen, das Totholz zu beseitigen. Danach – also mit einem angemessenen und überschaubaren pflegerischen Aufwand – seien sie im verkehrssicheren Zustand.
2) Linden sind dafür bekannt, auch unter schwierigsten Bedingungen leistungsstark und widerstandsfähig zu sein. Nach Rücksprache mit Sachverständigen ist es nur schwer möglich, tatsächlich eine realistische Reststandzeit vorherzusagen, zumal auf Basis einer einmaligen, statischen Begutachtung. Die im Gutachten angegebenen Reststandzeiten und darauf basierende Einschätzungen sind zu hinterfragen und im Jahresverlauf zu überprüfen. Im Übrigen: Viele Bäume, insbesondere Linden, die an anderen Stellen bereits tot gesagt wurden, stehen immer noch und erfreuen sich einer erstaunlichen Vitalität.
3) Auftragsgegenstand für den Sachverständigen war nach den Ausführungen auf S. 3:
„Visuelle Baumbegutachtung für ca. 103 Bäume vom Boden aus hinsichtlich Zustand, Vitalität, Verkehrssicherheit, Erhaltenswürdigkeit und Prognose Reststandzeit; Zusammenfassung der Ergebnisse in einem schriftlichen Gutachten.“ War die Variantendiskussion ab S. 18 demzufolge nicht Gegenstand der Beauftragung?
4) Gemäß § 17 Abs. 1 des Brandenburgischen Naturschutzausführungsgesetzes (BbgNatSchAG) sind Alleen in Brandenburg besonders geschützt. Sie „dürfen nicht beseitigt, zerstört, beschädigt oder sonst erheblich oder nachhaltig beeinträchtigt werden“. Laut Leitfaden „Alleenschutz“ des Landesbüros der anerkannten Naturschutzverbände Brandenburgs aus dem Jahr 2015 „sind primär alle Möglichkeiten zum Erhalt von Alleebäumen und Alternativ-lösungen zu prüfen und auszuschöpfen. Das öffentliche Interesse liegt im langfristigen Fortbestand der Allee als Ganzes, unter Wahrung ihres typischen Charakters und des Landschafts- und Ortsbildes. Wirtschaftliche Interessen, technische oder ‚funktionale‘ Aspekte dürfen grundsätzlich nicht zu Lasten des geschützten Alleenbestandes gehen.“
5) Offenbar sind auch alternative Straßenplanungen denkbar, wie schon der Entwurfsplanung aus dem Baumgutachten zu entnehmen ist (Anlage Lageplan). Hier wird die Fahrspur Richtung Falkensee-Zentrum nördlich der bestehenden Allee geführt und die Fahrspur Richtung Berlin in der heutigen Straßenlage zwischen den Alleebäumen. Mit einer Fahrspur und einer Radspur pro Richtung kann die Fahrbahn insgesamt auch schmaler werden als bisher und somit weiter von den bestehenden Bäumen wegrücken. Es ist kein Nachweis zu finden, dass Alternativplanungen mit dem (u.U. auch teilweisen) Erhalt der Bäume durch-geführt wurden und dabei auf nicht überwindbare Hindernisse gestoßen wurde. Die schlichte Begründung, dass eine Straßenplanung mit Komplettfällung „einfacher“ und ggf. „kosten-günstiger“ sei, kann u.E. keine Ausnahme vom gesetzlichen Alleenschutz herbeiführen.
6) Im Gutachten finden sich Hinweise auf vorhandene Höhlungen in mehreren Bäumen, die möglicherweise Tierarten als Nist- und Lebensstätte dienen könnten. Eine – rechtlich zwingende – Artenschutzrechtliche Prüfung laut § 44 Bundesnaturschutzgesetz, wurde nach unserem bisherigen Erkenntnisstand nicht durchgeführt.
7) „Die Bäume erfüllen vor Ort wichtige Funktionen als Straßenbäume, z.B. als Gestaltungs-elemente, zur Verkehrsführung, als Schattenspender, zur Luftkühlung und zur Feinstaub-bindung“ (Gutachten, S.17). Eine Fällung hätte auch erhebliche negative Auswirkungen auf das prägende Orts- und Landschaftsbild der Stadt, die sich gern als Gartenstadt bezeichnet, nicht zu vergessen die negativen Auswirkungen auf die Luftqualität und Hitzebelastung im Sommer, für alle Verkehrsteilnehmer, besonders für Fahrradfahrer und Fußgänger, und auch für Anwohner.
Unter Berücksichtigung der genannten Punkte bitten wir Sie um eine schriftliche Stellungnahme und die Prüfung alternativer Ausbauplanungen, die einen möglichst umfangreichen Erhalt der Allee und ihrer Bäume zum Ziel haben. Das bedeutet auch, alle Möglichkeiten und die kommenden Jahre zu nutzen, um die Allee – soweit notwendig – nach und nach zu verjüngen. Hierzu bieten wir Ihnen unsere konstruktive Mitwirkung an.
Bis dahin fordern wir die Rückstellung geplanter Fällungen und stattdessen die Aufnahme eines moderierten Verfahrens unter Hinzuziehung fachkundiger Vertreter der zuständigen Bereiche sowie der hier unterzeichnenden Umweltgruppen und -verbände, um zeitgerecht eine akzeptable Lösung zu finden.
Wir möchten nochmals unterstreichen, dass wir an einer fachlich adäquaten, transparenten und belastbaren Entscheidungs- und Lösungsfindung interessiert sind.
Mit freundlichen Grüßen
IHR 100-Linden Orgateam



