Radverkehrskonzept Falkensee

Beteiligung der Behörden und Träger öffentlicher Belange


Stellungnahme/Anregungen der BISF e.V.

Falkensee, den 08.02.2021


Sehr geehrte Damen und Herren,

die Bürgerinitiative Schönes Falkensee e. V. (BISF) begrüßt die Erstellung des Radverkehrs-konzepts für Falkensee und bedankt sich für die Einbeziehung als Träger öffentlicher Belange.


Grundsätzlich orientieren wir uns an den Prinzipien von Verkehrssicherheit, Verkehrsvermei-dung und -lenkung und Verkehrsberuhigung und legen diese auch unseren Ausführungen zugrunde. Der Radverkehr hat darin eine zentrale Bedeutung.


  1. Wir verfolgen die Diskussion um die Radverkehrsinfrastruktur seit vielen Jahren und se-hen weiterhin den enormen Nachholbedarf. Ein Radwegenetz entfaltet seine Wirkung erst, wenn Lücken und mangelhafte Verknüpfungen beseitigt sind, analog zu dem Bild eines Einkaufsnetzes aus dem alle Mitbringsel herausrutschen, wenn die Netzteile nicht fest miteinander verknüpft sind. Die große Zahl an Fahrradstraßen begrüßen wir daher ausdrücklich, sie führt zu einer Verbesserung der Fahrradfreundlichkeit und vernetzter Infrastruktur.
  2. Gewährleistung eines sicheren und attraktiven Fuß- und Radwegenetzes und ein sicherer und attraktiver Ausbau des Straßen- und Wegenetzes für unsichere und nicht motorisier-te Verkehrsteilnehmer, diese Ziele und viele Maßnahmen für den Radverkehr sind bereits im Verkehrsentwicklungsplan und seinen Novellierungen (VEP 1994, 2002, s. besonders 2018) begründet und benannt. Es hapert vor allem an der Umsetzung und erhoffen uns vom Radverkehrskonzept einen ordentlichen Schub. Wir sehen es als zentral an, dass die vielen bereits vorher und mit dem neuen Konzept vorliegenden Anregungen und Maß-nahmen einer zügigen Umsetzung zugeführt werden. Den Gedanken eines auf Jahres-scheiben heruntergebrochenen „Masterplan Rad“ halten wir für sehr sinnvoll.
  3. Ein lebenswertes Umfeld für die Einwohnerinnen und Einwohner ist eng mit einer attrak-tiven, nachhaltigen, zukunftsfähigen und sicheren Radverkehrsentwicklung verknüpft. Diese ist auch ein wichtiger Bestandteil zum Klimaschutz.
  4. Wir betrachten das Radverkehrskonzept als Teil einer notwendigen Verkehrswende mit dem Ziel der Reduzierung des Anteils des MIV. Das Konzept sollte deshalb noch stärker übergreifende Zielstellungen aufnehmen, wie sie beispielsweise im „Nationalen Radver-kehrsplan 2020“ und der „Strategie zur Förderung des Radverkehrs im Land Branden-burg bis 2030“ beschrieben sind. Hier wird die Verschiebung des Modal Splits weg vom MIV hin zu mehr Radverkehr als einer der wichtigsten benannt. Eine Stärkung auf 25% in 2030 halten wir für realistisch. Gerade in Falkensee ist das Potential groß wie die Be-teiligung beim Stadtradeln und Critical Mass Demonstrationen sowie vielfältigen Initiati-ven und Aktivitäten von ADFC und Netzwerk für ein fahrradfreundliches Falkensee zei-gen.
  5. Wir möchten deshalb anregen, auch innovative Radverkehrsführungen in die Überlegun-gen mitaufzunehmen, wie „Shared Spaces“, Fahrrad-Piktogramme (sogenannten „Sharrows“) und weitere.
  6. Die Attraktivität des Radfahrens zu steigern bedeutet konsequente Vorfahrt für den um-weltfreundlichen Rad- und Fußverkehr. Dafür sind Anpassungen des zur Verfügung ste-henden Verkehrsraums zugunsten des Radverkehrs und im Einklang mit dem Fußverkehr notwendig. Das Radverkehrskonzept ist dafür ein wichtiges Steuerungselement in unse-rer Fahrradstadt Falkensee.
  7. Diese Entwicklung sollte in der Infrastruktur, als auch in der weiteren Verkehrsentwick-lungsplanung konsequent berücksichtigt werden. Können per Rad zurückgelegte Wege Kfz-Fahrten ersetzen, so tragen sie auch zur Steigerung der Verkehrssicherheit bei und senken damit die Unfallkosten. Es werden keine Schadstoff- und Schallemissionen verur-sacht, die Verkehrsbelastung der Straßen sinkt und Laufen und Radfahren ist gesund.
  8. Systematisch sind auch die „neuen“ Anforderungen von Pedelecs, E-Bikes und Lastenrä-dern zu berücksichtigen und in die zukünftigen Planungen einzubeziehen. Eine funktiona-le und attraktive Infrastruktur bedient sowohl die berufliche als auch touristische Nutzun-gen, z.B. mit dem Aufbau von Verleihstationen.
  9. Als engagiertes Mitglied im Regionalpark Osthavelland-Spandau e.V. bedauern wir, dass offensichtlich die Kooperation mit den Nachbargemeinden vernachlässigt wurde. Die in-tensive regionale Abstimmung mit den Nachbargemeinden hinsichtlich der Radverkehrs-förderung, der Einbezug von Konzepten, Vorschlägen und Anregungen hätten doch be-reits wichtige Parameter von Anbeginn sein können. Wir hoffen sehr, dass dies im Rah-men der weiteren TöB Beteiligung geschieht. Hat man dabei Berlin-Spandau vergessen?
  10. Wichtige Elemente eines guten Radverkehrskonzeptes sind die Gewährleistung durchge-hend attraktiver und sicherer überörtlicher Radverkehrsverbindungen und Direkt- oder Hauptrouten, die teilweise auch als Radschnellverbindungen ausgeführt werden könnten.
  11. Die Verlängerung der aus Berlin kommenden Radschnellverbindung über die Falkenseer Chaussee in Weiterführung auf der Spandauer Str., Falkenhagener Str., Nauener Str. bis ortsauswärts entlang der Nauener Chaussee (L201) ist vielfach thematisiert worden und sollte wegen ihrer verkehrlichen Bedeutung unbedingte Priorität erhalten. Auch die Rat-hauskreuzung ist dementsprechend fahrradfreundlich umzugestalten.
  12. Zunehmend wichtig ist auch die Verbindung Seegefelder Straße / Seegefelder Weg auf Berliner Seite. Mit der Verbindung in der Seegefelder Str. vom Zentrum zum zukünftigen Hallenbad und dem Bahnhof Seegefeld weiter entlang der neuen Wohnbaugebiete und Bahnhof Albrechtshof sollte eine durchgängige Lösung der Radverkehrsführung bis zur Stadtgrenze und nach Spandau als zweiseitiger Radweg ausgebaut werden. Die Berliner Seite hat mit dem Ausbau des Seegefelder Weges bereits eine vorbildhaftes Beispiel ge-schaffen, zu dem es einen Anschluss auf Falkenseer Seite geben sollte.
  13. Die südliche Verbindung von Falkensee zum Havelpark Dallgow und Dallgow-Döberitz sehen wir in den bisherigen Planungen (Potsdamer Straße) noch nicht erfüllt. Da sollten die Überlegungen des ADFC aufgenommen werden, neue Verbindungen abseits der be-stehenden Straßenverkehrswege zu suchen (Stichwort: Weiterführung Dallgower-, Hertz- oder Döberitzer Straße).
  14. Schon seit vielen Jahren beklagt der Bürgermeister von Schönwalde-Glien die mangelnde Verkehrssicherheit für seine radelnden Schüler zu den weiterführenden Schulen in Fal-kensee, ohne dass die Falkenseer Verwaltung ihre entsprechende Verantwortung er-kannt und übernommen hat. Dazu gehört neben der vielzitierten Querungsmöglichkeit der L20 auch die sichere und ordentliche Weiterführung der Radwege durch das Wald-gebiet.
  15. Wir unterstützen das Konzept, den Radweg der Sympathie als grünes Band im Osthavel-land auszubauen. Die vorgeschlagene Strecke Spandau-Nauen verläuft ausschließlich im Grünen, abseits der PKW-Routen. Gleichzeitig verbindet diese wichtige Radverkehrsader für das östliche Havelland zahlreiche Bahnhöfe und die Hauptstadt Berlin.
  16. Der verbesserten Erreichbarkeit öffentlicher Einrichtungen, Gesundheitseinrichtungen, Schulen und Kitas, Freizeiteinrichtungen wie Sport- und Spielplätzen per umweltfreundli-chem Rad oder zu Fuß ist konsequent Vorrang gegenüber dem KfZ-Verkehr einzuräu-men. Das heißt, die Infrastruktur so zu planen und zu gestalten, dass sie, je näher das Ziel erreicht wird, den Radfahrenden Sicherheit und Vorfahrt garantiert. Das heißt im Weiteren auch, dort die Radabstellanlagen attraktiv und ausreichend zu gestalten. Spiel-plätze sollten über ausreichend viele und große Fahrradparkplätze verfügen, auch für Lastenräder und Räder mit z.B. Kinderanhänger.
  17. Gleiches gilt auch für die Radverkehrsführungen zu den Bahnhöfen. Die Bahnhöfe Fin-kenkrug, Seegefeld und Albrechtshof sollten die Verlagerung von Verkehren begünstigen. In Bezug auf die Fahrradstellplätze enthielt schon das Parkraumkonzept klare Schlussfol-gerung, deren Anzahl an den Bahnhöfen stark zu erhöhen und sichere Abstellmöglichkei-ten z.B. in Fahrradboxen für immer mehr Nutzer auch von höherwertigen Fahrrädern (E-Bikes, Pedelecs, Dreiräder, Lastenräder usw.) zu schaffen. Dies wurde als ein Element der Veränderung des Modal Split hin zur umweltfreundlichen Fahrradnutzung erkannt (Modal Shift).
  18. Die Radverkehrsattraktivität für das Falkenseer Zentrum und die Bahnhofstr. ist unbe-friedigend. Das hat auch die Online-Beteiligung zum Zentrum gezeigt. In allen Konzepten der letzten Jahre, VEP, Parkraumkonzept, INSEK und Lärmaktionsplanung ging es immer wieder um die Verringerung des MIV im Zentrum, um dessen Attraktivität zu erhöhen. Wir fordern, dass hier endlich konsequent alle Varianten der Verkehrslenkung, -verminderung und -beruhigung einbezogen und umgesetzt werden, um Lösungen im Sinne der Rad- und Fußverkehrsführung zu finden, durchgehendes Tempo 30 oder Ein-bahnstraßenregelungen eingeschlossen.
  19. Als anerkannte Umweltschutzvereinigung plädieren wir dafür, Baumfällungen für Radwe-ge zu vermeiden, Natur- und Grünflächenzerschneidungen sowie Versiegelungen gering zu halten.
  20. Wir befürworten die Forderung des ADFC, die Benutzungspflicht für Radwege/Gehwege innerorts aufzuheben. Alle Radfahrenden sollen frei entscheiden können, Straße, Radweg oder Gehweg zu nutzen.
  21. Bei Mischverkehr von Rad, Fuß und Kfz sind Wegeführungen, Schutzstreifen, Aufpflaste-rungen, Piktogramme, Markierungen und Beschilderungen deutlich und eindeutig vorzu-nehmen, um den Stellenwert und die Aufmerksamkeit gegenüber dem Radverkehr ein-deutig auszudrücken.
  22. Damit sich Fußgänger und Radfahrer sicher fühlen, sind belebte, gut ausgeleuchtete und übersichtliche Bereiche, in denen die Verkehrsteilnehmer gut sehen können und in denen sie auch gut gesehen werden, von Bedeutung.
  23. Mehr Querungshilfen sind wichtige Instrumente der Verkehrssicherheit gerade für die schwächeren Verkehrsteilnehmer und sollten ausreichend eingerichtet werden. Insbe-sondere an vielbefahrenen Hauptverkehrsstraßen und auf Schulwegen sind sichere Wegeverbindungen und Querungsmöglichkeiten unerlässlich.
  24. Auf Kopfsteinpflasterstraßen sollte durch Asphaltieren oder Schleifen die Befahrbarkeit durch Fahrräder gewährleistet werden.
  25. Last but not least sind die Schlussfolgerungen des aktuell zu entwickelnden Radverkehrs-konzeptes in den hier schon vielfach angesprochenen bestehenden Konzepten von INSEK, VEP, Parkraumkonzept, Straßen Masterplänen, Lärmaktions- Freiflächen- und Flächennutzungsplanung sowie der Wohnraumentwicklung zurück zu spiegeln und An-gleichungen aufzunehmen.

Wir bitten darum, die Überlegungen und aufgeführten Vorschläge zu berücksichtigen.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Günter Chodzinski

Radverkehrsstrategie des Landes Brandenburg

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