100 Linden in der Spandauer Straße






Auf Einladung der BISF fand im Februar 2022 die Begehung in der Kantstraße zum Thema „Baumpflege in Falkensee, Baumerhalt versus Baumfällung“ statt. Die Beurteilung des Zustandes von Bäumen und notwendiger Baumpflege sind oft zweifelhaft und strittig. Beispiele von Baumpflegemaßnahmen zeigen, dass diese oft zu spät und zu drastisch erfolgen, dann doch nicht die gewünschten Erfolge bringen und am Ende die Komplettfällung folgt. Am Ende stellten sich den Beteiligten viele Fragen zum Kopfbaumschnitt, wie er an einer Reihe von Linden in der Falkenseer Kantstraße vorgenommen worden war. Bäume sind an ihren Standort gebunden, sie können nicht vor Problemen weglaufen, sie müssen sich den Problemen stellen. Darin sind sie sehr kreativ und haben einen starken Überlebenswillen. Sie bilden ihren Stamm so aus, dass sie widerstandsfähig sind z.B. gegen Sturm mit Wurzel- und Stammbildung, gegen Trockenheit mit dem Abwurf von Ästen, sie können Schädlinge, Beschädigungen und Krankheiten bekämpfen, indem sie sie ummanteln.


Normen der Baumbegutachtung


Es gibt Normen und Regelungen, nach denen bei einer Baumbegutachtung geurteilt wird, jedoch ist jeder Baum individuell und sollte auch so betrachtet werden. Leider fehlt es oft an Zeit, Sorgfalt und Wissen, fachfremde Zielsetzungen, z.B. haushälterische Einsparungen oder aber Einnahmen für Fällgenehmigungen spielen auch eine Rolle. Für die Stadtverwaltung und ihre Akteure sollten immerwährende Fortbildungen in die verschiedensten Richtungen unabdingbar sein, um Wissen und Erfahrungen zu verbreitern und auf aktuelle Entwicklungen und wissenschaftliche Kenntnisse hin anzupassen.


Bäume und Baumschutz



… werden dringend gebraucht, wenn man sich die Baumstatistik anschaut. 2020 wurden 1.739 Bäume im Stadtgebiet gefällt, über 700 davon aufgrund „abnehmender Vitalität“ oder weil sie bereits abgestorben waren. Laut der Baumschutzsatzung der Stadt muss aber nur für gesunde Bäume nachgepflanzt werden, die also z.B. für Baufreiheit oder für den Straßenbau gefällt werden mussten. Durch diese Diskrepanz verliert die Stadt jedes Jahr mehr und mehr Bäume. Im Haushalt hatte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bereits für 2020 Gelder für diese vitalitätsbedingen Fällungen bereitgestellt, womit schon im letzten Jahr mehr Bäume als sonst nachgepflanzt werden konnten. Hitze und Dürre machen immer mehr Bäumen zu schaffen; besonders auffällig ist das bei Birken und Fichten, die als Flachwurzler mit dem gefallenen Grundwasserpegel kämpfen und einfach vertrocknen. Laut Beschluss der SVV sollen auch für diese Bäume Ersatzpflanzungen vorgenommen werden. Wir hoffen natürlich, dass auch die Privathaushalte diesem Beispiel folgen und fleißig nachpflanzen.

Ein anderes Problem stellt der zunehmende Mistelbefall für viele Bäume dar, die durch den Parasiten zusätzlich geschwächt werden. Um die Bäume möglichst lange gesund zu erhalten, brauchen sie entsprechende Pflege. Oft scheinen die Pflegemaßnahmen allerdings zu spät oder nur sporadisch angeordnet und von externen Firmen ausgeführt, von denen eine nur für Totholzentfernung, eine weitere für Mistelentfernung und eine dritte fürs Freischneiden von Leitungen beauftragt wird. Erteilte Fällgenehmigungen auf öffentlichem Grund werden oft erst nach der Fällung bekannt gegeben. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beantragte deshalb, auch den Etat für die Baumpflege zu erhöhen.

Gespannt sind wir auch auf die Umsetzung eines interfraktionellen Antrags, der neben weiteren Spielgeräten für den Spielplatz am Asternplatz, auch bienenfreundliche sowie essbare Pflanzen und Sträucher vorsieht. Etliche Bäume und Sträucher wurden hier im Rahmen des Anliegerstraßenausbaus im letzten Jahr entfernt. Wir hoffen, dass so auch der Nachwuchs in einer naturnahen Umgebung aufwachsen und spielen kann.